Berufliches Schulzentrum für Technik und Wirtschaft Dresden

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Turmuhrwerk

Über Jahrhunderte zeigten Turmuhren der Bevölkerung die Zeit. Besonders öffentliche Gebäude wie Kirchen, Rathäuser, Fabrikgebäude und Schulen wurden mit diesen großen, weithin sichtbaren Uhren ausgestattet. Wobei für den Betrachter von außen nur das Zifferblatt der Uhr sichtbar war. Das Uhrwerk befand sich meist im Dachstuhl der betreffenden Gebäude und war nur für wenige interessierte Besucher zugänglich.

 

Inzwischen  wurden viele der noch existierenden Turmuhren durch  moderne elektrische Antriebe ersetzt. Ein Beispiel dafür ist die ehemalige 28. Bezirksschule in unserer Nachbarschaft. Das Gebäude wurde 1900 errichtet und gehört heute zum BSZ für Gesundheit und Sozialwesen Dresden.

Statt eines Turmuhrwerkes befindet sich hinter dem Zifferblatt ein elektrisches Zeigertreibwerk. Ebenfalls elektrisch angetrieben ist das dazugehörige Stunden- und Viertelstundenschlagwerk.

 

 

 

Will man sich mit einer alten Turmuhr intensiver beschäftigen, kann man natürlich entsprechende Museen aufsuchen. Leider sind die Exponate häufig mit  einem Schild "Bitte nicht berühren" versehen. In der Vorbereitung dieses Projektes ist es gelungen eine 150 Jahre alte Turmuhr als Leihgabe zu erhalten. Sie wurde teilweise zerlegt und von allen Teilen Skizzen angefertigt. Mit Hilfe dieser Skizzen werden die Produktdesigner des zweiten Lehrjahres die Uhr in 3D rekonstruieren. Dabei sollen auch die technologischen Möglichkeiten der Entstehungszeit beleuchtet werden.

  Turmuhrwerk-Vorderansicht und Einzelteil mit starken Verschleißerscheinungen nach 120 Jahren Gebrauch.

 

 

Die untersuchte Turmuhr stammt von der Firma Friedrich Kühn & Sohn. Sie wurde im Jahre 1878 in Gräfenroda in Thüringen gebaut und gehört zu den ersten Exemplaren, die ein gegossenes Gestell aus Grauguss besaßen. Bis dahin wurden die Gestelle aus Schmiedeeisen handwerklich gefertigt.

Dieser Technologiewechsel fällt zeitlich mit der Übernahme der Firma durch Wilhelm Kühn (links im Bild), dem Sohn von Friedrich Kühn, zusammen.

Die Arbeit unserer Produktdesigner beginnt mit dem Modellieren des Gestells.

Vor dem Gießen musste ein Modelltischler zwei Holzmodelle bauen, die dann in Sand eingeformt wurden. Mit Hilfe dieser Modelle konnten später beliebig viele gleiche Gussteile hergestellt werden. Technologisch war das ein großer Fortschritt.

Die beiden Gussteile sind durch drei Pfeiler spannungsfrei miteinander verbunden. Bei diesem ersten Gussgestell wurde noch großer Wert auf ansprechende Optik gelegt. Grüne Farbe und goldene Zierlinien waren typisch für Kühnsche Turmuhrwerke.

Bei späteren Gestellen wurde auf die markante Profilierung verzichtet. Sie waren dadurch einfacher und billiger herzustellen.

Ein großer Vorteil der Kühnschen Turmuhren sind die aufgesetzten Lager. Dadurch lassen sich die Wellen einzeln montieren. Das in der Uhrmacherei übliche Einfädeln aller Wellen gleichzeitig entfällt damit. Die Turmuhrwerke können also auch unter den beengten Verhältnissen im Turm leicht montiert und demontiert werden.

Die verwendeten Bronzelager wurden in zwei Größen hergestellt und besitzen eine Ölbohrung. Derartige Gleitlager müssen regelmäßig geölt werden, um vorzeitigen Verschleiß vorzubeugen.